LieZa-Treff bietet Begegnungsmöglichkeiten

Pfarrgemeinde Liebfrauen, mit Zwölf Apostel, Langenhagen

Ausgangslage: In der Pfarrgemeinde Liebfrauen, mit Zwölf Apostel, in Langenhagen stand die Schließung einer der beiden Kirchorte an. Dagegen gab es Widerstand.

Entwicklung: In der Pfarrei in Langenhagen ist ein LieZa-Treff entstanden. Er ist das Ergebnis langwieriger Überlegungen zur Umgestaltung der Pfarrgemeinde, ausgelöst durch die Diskussion um die Schließung eines der beiden Kirchorte Liebfrauen und Zwölf Apostel.

Der LieZa-Treff ist eine Begegnungsmöglichkeit für ganz verschiedene Zielgruppen. Es gibt ein Veranstaltungsprogramm und eine eigene Homepage. Getragen wird der LieZa-Treff durch ein Kernteam, bestehend aus vier Gemeindemitgliedern. Begleitet wurde der gesamte Prozess durch einen Organisationsberater des Bistums Hildesheim.

Der LieZa-Treff ist einer der Schwerpunkte des Pastoralkonzepts der Gemeinde mit dem Titel „Katholisch in Langenhagen 2020“, in dem auch vorgesehen ist, den Zwölf-Apostel-Kindergarten weiterentwickeln. Im Leitbild der Gemeinde heißt es: „Wir sind eine katholische Kirchengemeinde mit Zuwanderungsgeschichte, wir stellen uns den Herausforderungen der Zukunft in unserer Stadt, die durch Zuzug weiterwächst, und wir möchten den Menschen geistliche und soziale Heimat sein.“

Dr. Christian Hennecke Portrait

„Das ist ein gutes Beispiel lokaler Kirchenentwicklung, weil hier ein Prozess gewagt wurde, der viele Menschen in der Pfarrei und in der Stadt Langenhagen kreativ mit einbezieht.“ 
Dr. Christian Hennecke, Leiter der Hauptabteilung Pastoral.

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Aufbruch in Liebfrauen

Langenhagen Eigentlich wollten die Gemeindemitglieder der Pfarrgemeinde Liebfrauen Langenhagen „nur“ einen ihrer beiden Kirchorte retten. Doch als sie sich vor zwei Jahren intensiv mit einem Rettungspaket für ihre Kirchen beschäftigten, entdeckten sie, dass nicht die Orte, sondern der Inhalt zählt. Und krempelten ihre pastorale Arbeit komplett um.

Es war keine Wunschhochzeit, als 2006 die Gemeinden Liebfrauen und Zwölf Apostel fusioniert wurden. Zwar war die eine aus der anderen in den 70er Jahren hervorgegangen, aber zu sehr erschien die spirituelle Prägung der beiden Gemeinden voneinander abzuweichen. Sinn und Zweck der Fusionen war allen Beteiligten klar, trotzdem war es ein steiniger Weg. Gerade als in beiden Kirchorten das Gefühl aufkam, es gehe voran mit der Fusion, kam die nächste Hiobsbotschaft: Eine der beiden Kirchen muss wahrscheinlich aufgegeben werden. Zu nah beieinander lägen die Kirchen, zu wenig genutzt seien sie. „Als klar wurde, dass wir die Zwölf- Apostel- Kirche oder die Liebfrauen schließen müssen, drohte das Pflänzchen Fusion zu verdorren“, sagt Pfarrer Klaus-Dieter Tischler. Die Gemeinde bat um Aufschub und Zeit, um zu begründen, warum sie beide Kirchorte braucht. Ein Einbruch, der sich letztlich zum Aufbruch entwickelte. Denn wie bei einer Initialzündung kamen plötzlich ganz neue Fragen auf den Tisch.

„Wir haben uns in einem Gemeindeberatungsprozess mit der Frage auseinandergesetzt, wie wir im Jahr 2020 als Kirche in Langenhagen aussehen wollen. Für mich überraschend stellten wir dabei fest, dass schon aktuell in unserer Gemeinde ein Ausländeranteil von zwanzig Prozent vorhanden ist, der bisher viel zu wenig beachtet wurde“, sagt Pfarrer Tischler. „Außerdem haben wir dabei festgestellt, dass unsere Gemeinde wächst und vor allen Dingen Familien mit Kindern Gemeindemitglieder sind.“ Die Frage, wie der Kirchort zu retten sei, trat völlig in den Hintergrund. Zeitweise wurde sogar überlegt, beide Kirchen zu verkaufen und neu anzufangen. „Wir haben uns komplett neu orientiert. Wir hatten das Gefühl, dass vieles möglich ist“, erklärt Claudia Hopfe, die bereits zu diesem Zeitpunkt als Ehrenamtliche in den Gremien engagiert war. „Gleichzeitig hat uns die Gemeindeberatung immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht, wenn wir uns zu viel vorgenommen haben. Denn allein die Datenbeschaffung für die Analyse unserer Gemeinde war eine Mammutaufgabe.“ Auf Gemeindeversammlungen wurde beschlossen, das Angebot der Kita und für Familien zu behalten und auszubauen und ein neues pastorales Konzept zu entwickeln. Der Zuspruch bei den Versammlungen war mit durchschnittlich 150 Besuchern groß. Schnell gewannen die einzelnen Teams, die mitarbeiteten, neue Mitglieder. So wie Jennifer Rihm, die als gebürtige Südafrikanerin mitten in den Entwicklungsprozess einstieg und mittlerweile eine tragende Rolle spielt. Die bisherigen Mitglieder und Aktiven in den Gemeinden entdeckten neue Fähigkeiten an sich selbst.

Eine Entwicklung, die Pfarrer Tischler ermöglichte, indem er sich selbst zurücknahm. „Ich weiß, dass ich noch vier Jahre hier sein werde. Jeder wünscht sich, dass die Entwicklungen und das Leben in einer Gemeinde nicht mit dem Pfarrer steht und fällt“, erklärt er sein Verständnis von Leitung. „Einerseits bedeutet das Zurücknehmen und die Abgabe von Verantwortung in die Hände der Gemeinde Entlastung für mich. Gleichzeitig musste ich erst lernen, loszulassen.“ Auch für die Gemeinde war die neue Situation zunächst ungewohnt: „In der Vergangenheit haben wir oft geschaut, was der Pfarrer macht. Wir als Gemeinde mussten erst lernen, die abgegebenen Verantwortung zu tragen“, sagt Claudia Hopfe. Heute entscheidet Pfarrer Tischler zusammen mit einer Steuerungsgruppe und den Gremien der Pfarrgemeinde über die Belange der Gemeinde. Er hat sich zwar als Leiter der Gemeinde ein Veto- Recht eingeräumt, nutzt es aber kaum. „Ich bin nicht mehr Herr aller Reusen. Manchmal fragen mich Kollegen, warum ich mir dieses oder jenes gefallen lasse. Und ich war auch nicht immer mit allen Entscheidungen glücklich. Aber die gemeinsame Basis stimmt.“

Zusammen erarbeiteten Pfarrer und Gemeinde das Konzept für den LieZaTreff, einer Plattform, auf der alle Mitmach- Angebote der Gemeinde an ihre Mitglieder und die Nachbarn gedanklich gebündelt wurden. Getragen wird der LieZa-Treff durch ein Kernteam, bestehend aus vier Gemeindemitgliedern. Sie beschlossen, alle kirchlichen Räumlichkeiten konsequent für passende Angebote aus der Stadtgesellschaft zu öffnen und in die kirchliche Infrastruktur von LieZaTreff einzubetten. „Dabei haben wir bewusst zuerst alle schon bestehenden Gruppen in der Gemeinde kontaktiert und sie über LieZaTreff informiert. Uns ist wichtig, dass deren Engagement gewürdigt wird und die Kirche für alle ein Stück Heimat ist“, sagt Jennifer Rihm. Besuchsdienst, Frauengruppe und Frühschoppen haben weiterhin ihren berechtigten Platz in der Gemeinde. Das Konzept überzeugte die Hauptabteilungen des Bistums davon, dass beide Kirchen tatsächlich gebraucht werden.

Mit 32 bereits bestehenden Angeboten der Gemeinde startete LieZaTreff Ende vergangenen Jahres. Mehrere neue sind seitdem dazu gekommen: Eltern- Kind- Turnen, ein Kinderwagen- Café mit den Hebammen der Stadt Langenhagen und Musikgruppen für Anfänger zum Beispiel. Einmal die Woche trifft sich die Gemeinde mit Flüchtlingen. Mit einer geringfügig Beschäftigten Hilfskraft als Unterstützung wächst der Treff stetig weiter. Die Gemeinde hatte sich auch darauf verständigt, stärker auf die Neuzugezogenen in ihrer Gemeinde zuzugehen, und verschickt seit Mitte 2015 Begrüßungsbriefe an ihre neuen Mitglieder. Bereits 500 solcher Briefe wurden bisher verschickt. Auch ein Ausbau des Kita- Angebotes, das noch mehr in die Fläche gehen soll, wird angegangen. Um all das mit Ehrenamtlichen leisten zu können, ist eine genaue Trennung zwischen Organisationsteams vor Ort und einer Steuerungsgruppe, die die grundsätzlichen Entscheidungen trifft, notwendig. „Wir sind noch mitten im Veränderungsprozess“, sagt Claudia Hopfe. Wie sehr sich die Gemeinde auch innerlich gewandelt habe, könne sie an einem Beispiel zeigen: „Seit 2006 gab es jeden Montag in der Kirche Liebfrauen ein Gebet für den Erhalt des Kirchortes, das mit rund 70 Teilnehmern sehr gut angenommen worden ist. Mittlerweile findet das Gebet einmal im Monat statt – als spiritueller Impuls für alle Gläubigen.“

Lokale Kirchenentwicklung im Dialog

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