Netzwerk Lernpfarreien

Pfarreien, die sich auf den Weg gemacht haben, könnten voneinander lernen. Das ist der Gedanke hinter dem Netzwerk Lernpfarreien.

Die Idee ist eigentlich einfach: Pfarreien, die mitmachen wollen, besuchen einmal im Jahr mit einer kleinen Gruppe für ein Wochenende eine andere Pfarrei in einer anderen Diözese, die sich mit auf den Weg gemacht hat. 

Begleitet werden sie dabei von denen, die in den jeweiligen Bistümern die Entwicklungsprozesse voranbringen. Und einmal im Jahr gibt es die Gelegenheit zu einem Studientag, bei dem wir miteinander auswerten können, was sich ereignet hat – miteinander im Austausch stehen und miteinander diskutieren, welches die nächsten Schritte sein können – und miteinander neue Kraft für den Weg tanken, mit neuen Impulsen und Ideen.

Erster Geburtstag: Das Pfarreinetzwerk hat sich weiterentwickelt

Ein Jahr nach der „Gründung“ des Pfarreinetzwerkes fand am 23./ 24. Juni 2017 das zweite „große“ Treffen statt, diesmal in Hildesheim. Am Freitagnachmittag reisten die 35 Teilnehmer*innen aus sechs Bistümern an. Schon bei der Kennlernrunde entstanden lebhafte Gespräche. „Gehen Sie auf jemanden zu, die oder den Sie noch nicht kennen und sprechen darüber, was Ihre wichtigste Lernerfahrung des letzten Jahres war,“ forderte Gabi Viecens die Frauen und Männer auf, und schon ging es los. Es war völlig egal, ob jemand aus Münster, Lüneburg oder der Schweiz angereist war – das Interesse aneinander und daran, was sich in den Gemeinden, Pfarreien und anderen Kirchorten derzeit tut, verband alle.

Hören und Staunen

Überhaupt stand am Freitag das Erzählen im Vordergrund. Was haben die Pfarreien, die im vergangenen Jahr Lernpartnerschaften gebildet haben, erlebt? Was war schwierig, was ist gelungen? Dabei ging es nicht um große und aufwändige Aktionen. „Was mir klein und unbedeutend erscheint, kann für jemand anders eine wichtige Sache sein. Erst im Spiegel der Zuhörenden beginnt das Gelernte zu glänzen.“ leitete Dr. Christian Hennecke die Runde ein.

Pfarrer Massolle aus Beverungen berichtete von einem Besuch in Göttingen, wo sie Diakon Martin Wirth und die Lokalen Leitungsteams aus Maria Trost trafen. Zurück in Beverungen fanden sie es oft schwierig, mit der eigenen Begeisterung eine größere Anzahl von Gläubigen anzustecken. „Uns war klar: Wir müssen zuerst den Pfarrgemeinderat überzeugen“ und „Man braucht Geduld. Davon habe ich meistens zuwenig“ gibt Pfarrer Massolle freimütig zu.

„Diese Erfahrung haben wir auch gemacht!“

Das Team aus Dresden, das mit vier Personen angereist ist, erzählte, dass ihre Pfarrei ungewöhnlich jung ist. Das Durchschnittsalter ist 33 Jahre, es gibt viele Familien mit Kindern. Von ihrem Besuch in der Pfarrei Carl Lampert in Halle haben sie sehr profitiert und viele wertvolle Tipps mitgenommen. Zum Beispiel die Gelassenheit, dass nicht alle gleich mitmachen müssen, sondern jede Gemeinde ihren eigenen Weg und ihr eigenes Tempo entwickeln kann. Oder das Detail, dass alle Gemeinden – egal ob groß oder klein - die gleiche Anzahl von Stimmen im Dekanatsrat haben – „das hat sehr zum Frieden beigetragen.“

Marianne Reiser aus Seebach/Schweiz erzählt, dass sie den Reichtum der Kleinen Christlichen Gemeinschaften „wiederentdeckt“ haben, Pfarrer Martin Piller aus derselbern Pfarrei von der nicht zu unterschätzenden Bedeutung guter Information und Kommunikation. Dies bestätigt Elke Beier aus Münster und erzählt außerdem von ihrem Treffen mit der Partnerpfarrei aus Hamburg. Es ist nicht immer so einfach, eine gute Zeit zu finden und sich gut vorbereiten. „Irgendwie ist ja auch immer jeder mit den eigenen Sorgen und Problemen beschäftigt“. Andererseits profitieren durch die Besuche nicht nur die Besucher, sondern auch die Besuchten, wie das Schweizer Team mehrfach erlebt hat.

Wegweisend: Der Visionsprozess in St. Ursula

Ein besonderes Erlebnis war die Präsentation zum Visionsprozess in Oberursel und Steinbach. Dazu gehörte z. B. ein mit viel Liebe und Sachverstand durchgeführte Interviewaktion und die dazugehörende Auswertung und als Highlight ein Visionstag in der Stadthalle. Die Idee war, eine gemeinsame Vision für die Pfarrei mit möglichst vielen Menschen zu entwickeln. Gelernt hatten die Oberurseler dies auf den Philippinen und nun für die eigene Pfarrei eine passende Form entwickelt. Das Besondere lag darin, dass die 63 (!) Interviewer sehr gut auf die Aktion vorbereitet waren und die eigentliche Befragung allen Beteiligten zunehmen Spaß machte, so dass am Ende 350 Interviews ausgewertet werden konnten.

Nachzulesen unter http://www.kath-oberursel.de/cms/index.php5?q=/visisonsprozess/

Workshops und Liturgien

Am Samstag erarbeiteten die Teilnehmenden unter der Anleitung des Teams Bukkal ng Tipan/Philippinen Module für ihre jeweiligen Orte, eingerahmt vom Hören auf die Heilige Schrift in Form des Bibelteilens und einer Segensliturgie.

Beim diesjährigen Treffen konnten auch Interessierte teilnehmen konnten, die bisher noch nicht dabei sind. So waren vor allem aus Orten des Bistums Hildesheim „Neugierige“ gekommen, die sicher auch die Frage im Gepäck hatten, ob dies auch etwas für die eigene Pfarrei wäre. Es könnte gut sein, dass sich außer Göttingen und Duderstadt demnächst auch anderer Orte unseres Bistums am Netzwerk beteiligen. Das nächste Treffen wird am 28. und 29. Juni 2018 stattfinden.

Wie es weitergeht…

Das Pfarreinetzwerk hat sich entwickelt, auch wenn es noch in der „Kleinkindphase“ ist, wie Christian Hennecke augenzwinkernd bemerkt. Umso wichtiger ist es, immer wieder gemeinsam auzuwerten, was die Beteiligten weiterbringt und was sich bewährt, welche Hilfestellung gut tut und was eher schwierig ist. Einhellig ist die Meinung der Teilnehmenden, dass es eine gute Idee ist, sich über alle Bistums- und sonstigen Grenzen zu vernetzen. Ich kann anderen ein gute „Spiegel“ sein, weil ich nicht Teil ihrer Hierarchie und ihres Systems bin, also wirklich den Blick „von außen“ habe, bringt es ein Teilnehmer auf den Punkt.

Im kommenden Jahr ist geplant, zwei Orte mit allen Interessierten gemeinsam zu besuchen: im November St. Cyriakus Duderstadt mit der Initiative „Segensorte“ und im April St. Ursula Oberursel & Steinbach, um zu erfahren, wie es mit dem Visionsprozess weitergegangen ist. Wer sich dafür interessiert oder mehr über das Netzwerk erfahren möchte, melde sich über loki@bistum-hildesheim.de.

Der Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim, Dr. Christian Hennecke, stand in punkto lokale Kirchenentwicklung Rede und Antwort in Göttingen.

Ein spannender Auftakt

Am 16. Und 17. Juni dieses Jahres starteten wir einen ersten Versuch in Göttingen. Ganz in der Nähe vom Bahnhof liegt die Katholische Pfarrei St. Godehard, also gut erreichbar für alle. Zusammen mit unserem Team aus Hildesheim und dem Team aus Bukal Ng Tipan haben wir uns an einem ersten Tag mit Verantwortlichen aus 12 Diözesen getroffen, um die Idee eines Netzwerkes zu reflektieren und mögliche Perspektiven auszuloten. Es ist ja nur ein Anfang, und kein exklusiver Kreis – aber es brauchte ja dennoch eine gemeinsame Verständigung über den Sinn und die Richtung unserer Initiative.

Es war ein spannender Tag, denn nach einem ausführlichen Austausch sind wir mehr als je davon überzeugt und begeistert davon, eine solche Lerngemeinschaft in ihrer doppelten Dimension der Verantwortungsträger und der Pfarreien zu starten.

Drei Horizonte unserer zukünftigen Arbeit schienen auf:

  • Es geht darum, gelungene Erfahrungen ansichtig zu machen und zu reflektieren
  • Wir können einander wichtige Arbeitstools zur Verfügung stellen
  • Theologische Fragen werden zu reflektieren sein, die sich aus diesen Prozessen ergeben.

Damit ist für das Treffen im nächsten Jahr eine doppelte Zielrichtung gegeben: neben dem Austausch braucht es ein theologisches Nachdenken über die Prozesse selbst. So werden wir es im nächsten Jahr machen!

Voller Begeisterung

Fast 60 Teilnehmende aus 10 Pfarreien sind am nächsten Tag im selben Pfarrzentrum. Große Gastfreundschaft. Tolle Stimmung. Nach einer Vorstellung und einem Eintauchen in die Schrift kommt es zu einem lebendigen Austausch zwischen den Pfarreien. Und das ist das eigentlich Spektakuläre dieses Tages. Denn ein solcher Austausch macht enorm viel Mut. Es wird ja auch deutlich, dass alle am Anfang mit ähnlichen Herausforderungen zu leben haben. Nicht alle, die kommen wollten, konnten kommen. Und viele Pfarreien, die im Aufbruch sind, haben noch nichts davon gewußt. Aber es ist ja ein erster Anfang!

Im Laufe des Tages wächst die Lust am gemeinsamen Weg immer mehr, und es ist spannend zu sehen, wie leicht und locker der gegenseitige Austausch ist – und die Lust, voneinander zu lernen. Termine wurde ausgemacht, Pärchen von Pfarreien bildeten sich schnell. Am Ende haben wir gefragt: Welche Hoffnung verbinden wir mit einem Netzwerk LoKi? Welche konkreten Schritte könnten wir gehen? Welche Unterstützung brauchen wir?

Es wurde deutlich, dass es diese wechselseitige Inspiration braucht, das gegenseitige Treffen. Und so wird es im nächsten Jahr sein. Wir werden im Herbst eine Online Plattform errichten, auf der dann auch der Austausch, das Lernen voneinander und die Kontaktaufnahme möglich wird.

Geplant ist das nächste zweitägige Treffen mit allen Pfarreien im Juni 2017.

A presto!

Bisher beteiligte Pfarrgemeinden in den Bistümern:
Hamburg: Pfarrei Mariä Himmelfahrt Elmshorn 
Hildesheim: Pfarrei Maria Frieden Göttingen und St. Cyriakus Duderstadt 
Dresden: Pfarrei St. Josef Dresden-Pieschen 
Münster: St. Bartholomäus Ahlen 
Paderborn: Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit Beverungen, Pastoraler Raum Warburg, Pastoralverbund Hüttental-Freudenberg 
Magdeburg: Pfarrei St. Johannes und Pfarrei Carl Lampert

Lernpartnerschaften, die sich bisher gebildet haben:
Ahlen – Hamburg
Burg – Siegen 
Dresden – Halle – Duderstadt 
Beverungen – Göttingen

Lokale Kirchenentwicklung im Dialog

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